Am Südende des Strandes von Rosolina Mare, wo der Sand der Lagune von Caleri weicht, liegt der Giardino Botanico Litoraneo del Veneto, der Küstenbotanische Garten Venetiens. Er umfasst rund 44 Hektar. Er ist kein Garten mit Beeten. Er ist ein Stück Küste, das so geblieben ist, wie es war, und von Wegen durchzogen wird.
Die Region Venetien legte ihn 1990 an, um ein Naturgebiet von großem wissenschaftlichem Interesse zu schützen. Später wurde das Gebiet zum Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung nach EU-Recht erklärt und Teil des Regionalparks Po-Delta.
Vom Sand zum Wald
Der Garten liest sich wie ein Querschnitt durch die Küste. Nahe am Meer wachsen die Pionierarten des losen Sandes, etwa Meersenf und Stranddistel. Auf den ersten, noch beweglichen Dünen erscheinen Strandquecke und Strandwinde. Auf den Kämmen bremsen die Horste des Strandhafers den Wind und halten den Sand fest: Sie lassen die Dünen wachsen.
Weiter hinten festigen sich die Dünen. Wacholder und Steinlinde kommen hinzu, erstes Zeichen eines Buschwalds ähnlich der mediterranen Macchia. Wo das Grundwasser an die Oberfläche tritt, in den Senken zwischen den Dünen, wachsen Rohrkolben, Schneide und Schilf.
Ein junger Pinienwald
Der Wald aus Strandkiefern und Pinien ist nicht alt. Er stammt aus Aufforstungen der 1940er- und 1950er-Jahre. Mit der Zeit hat sich der Unterwuchs von selbst mit seltenen Orchideen der Gattungen Cephalanthera, Ophrys und Orchis bereichert. Die Steineiche zeigt eine natürliche Entwicklung hin zum mediterranen Wald. Im Westen dagegen erinnert ein Bereich mit vielen Ulmen an die Wälder der Ebene.
Der Weg über die Salzwiese
Seit 1992 führt ein ausgebauter Pfad durch die brackigen Bereiche nahe der Lagune. Er verläuft über die Barene, flache Inselchen aus Ton, bedeckt mit salzverträglichen Pflanzen. Kleine Stege überqueren die Kanäle. Ist das Wasser klar, sieht man am Grund Krebse, Jungfische und Wiesen aus Zwergseegras (Zostera noltii). An den Rändern wachsen Queller, Strandsode und Salzkraut. Der „sentiero alofilo“, der Pfad der Salzpflanzen, endet auf den Dünen im Südosten, wo sich die Pflanzen des Salzes mit denen des Sandes mischen.
Für den Besuch gibt es drei Routen. Eine kurze, vor allem im Pinienwald. Eine mittlere, die alle Lebensräume außer der Brackwasserzone berührt. Eine lange, die auch diese einschließt. Im Frühling blühen die wilden Orchideen. Zu anderen Zeiten des Jahres färbt der Strandflieder (Limonium) die Landschaft violett.




