Der Polesine ist ein Land, das die Flüsse gemacht haben. Etsch und Po haben es über Jahrtausende aufgebaut, überflutet und neu gezeichnet. Das Museo dei Grandi Fiumi, das Museum der großen Flüsse, in Rovigo erzählt genau davon: wie Menschen in einer Wasserlandschaft lebten, arbeiteten und Handel trieben, die nie stillstand.
Seit 2001 befindet sich das Museum in den restaurierten Räumen des ehemaligen Olivetanerklosters San Bartolomeo. Seine Sammlungen sind jedoch älter. Ab 1971 lagen sie im archäologischen Museum des Centro Polesano di Studi Storici, Archeologici, Etnografici, eines örtlichen Forschungszentrums, ab 1978 im Museo Civico delle Civiltà in Polesine. Das neue Museum wurde 1998 gegründet, um sie aufzunehmen. Der Rundgang umfasst mehr als 3.500 Jahre, von der Bronzezeit bis zur Renaissance, mit ausgewählten Stücken aus der Neuzeit und dem 20. Jahrhundert.
Bernstein, Bronze und Glas
Die Reise beginnt mit dem Bernstein. Ein Multimediaraum erinnert an den Mythos von Phaethon und den Heliaden, verbunden mit dem Eridanos, dem Fluss, den man oft mit dem Po gleichsetzt. Neben dem Mythos stehen die Fakten: In Campestrin di Grignano Polesine haben Archäologen die älteste Bernstein-Werkstätte südlich des Baltikums entdeckt.
Es folgen die Dörfer der Bronzezeit: Canàr, Larda di Gavello und vor allem Frattesina, zwischen dem 12. und 10. Jahrhundert v. Chr. ein Handwerkszentrum an den Routen zwischen Mittel- und Nordeuropa und dem östlichen Mittelmeer. Den Abschluss bildet eine vergrößerte Nachbildung der Sonnenscheibe von Trundholm, gefunden in Dänemark.
Der Reiter und die attischen Vasen
In der Mitte des Saals zur Eisenzeit steht der Cavaliere di Gavello, der Reiter von Gavello, eine etruskisch-padanische Bronzestatuette aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Etwas weiter folgt die etruskische Nekropole von Balone. Aus Grab 1 stammen eine attische rotfigurige Kylix mit dem thronenden Hades und ein attischer Krater, auf dem Peleus Thetis raubt.
Die römische Abteilung kreist um die Villa von Chiunsano zwischen Ficarolo und Gaiba: Glas, Votivfiguren, chirurgische Instrumente und vier Fragmente von Militärdiplomen. Dazu kommen eine Groma, das Messinstrument der römischen Landvermesser, und eine Nachbildung der Tabula Peutingeriana, der großen römischen Straßenkarte.
Von der ostgotischen Dame zur Majolika
Das Mittelalter beginnt mit den reichen Grabbeigaben einer ostgotischen Frau, der sogenannten Dama di Chiunsano. Die Renaissance hat als Kulisse eine Bühnenwand, die die Fassade des Palazzo Roverella nachbildet. Im Keramiksaal fällt ein mehrfarbiges Stück von 1540 auf, ein Werk von Francesco Xanto Avelli mit der Geschichte von Hero und Leander.
Viele dieser Kulissen stammen von Gabbris Ferrari, Künstler und Bühnenbildner, 1937 in Rovigo geboren: Der letzte Saal zeigt 40 seiner Entwürfe für die Ausstellung. In den Kreuzgängen schließlich begleiten römische Grabstelen, Altäre und Inschriften die Besucher zum Ausgang. Darunter ist ein Altar, der Apollon geweiht ist.




